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Bürgermeister wirbt für Niederlassung: Medizinstudenten besuchen Angermünde

Medizinstudenten besuchen Angermünde

Bürgermeister und niedergelassene Ärzte begeistern für Leben und Arbeiten im ländlichen Raum

Angermünde, 04.11.2021

Lust aufs Land soll die Initiative MHB-Mobil der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB) seinen Medizinstudierenden machen und führt seit 2018 Kennenlerntouren durch. Am 23. und 24. Oktober besuchten sechs Studierende auf Einladung des Bürgermeisters Frederik Bewer Angermünde und machten sich ein Bild vom Leben und Arbeiten in der Kleinstadt. Mit dabei waren auch Mitarbeitende der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB), die die problematische medizinische Versorgung im ländlichen Raum kennen und Akteure vor Ort unterstützen. Neben Gesprächen mit dem Bürgermeister und niedergelassenen Ärzten sowie der Besichtigung von Praxen standen unter anderem eine Stadtführung und eine Führung in der Blumberger Mühle auf dem Programm.

Die medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane (MHB) wurde 2014 mit dem Ziel gegründet, dem Ärztemangel im Flächenland Brandenburg entgegenzuwirken. Doch das allein reicht nicht, um sie auch für eine Niederlassung in der Region zu gewinnen: „Die Studierenden erhalten im Modellstudiengang der MHB eine hervorragende Ausbildung, lernen jedoch weder das Land Brandenburg selbst, noch die dortigen Arztpraxen kennen“, so Prof. Dr. Günter Fleischer, Vorstandsvorsitzender des Fördervereins der MHB und wesentlicher Initiator des MHB-Mobil.

Diese Lücke wird nun durch das MHB-Mobil geschlossen, welches auch bei der KVBB auf fruchtbaren Boden stieß. „Wir fördern u.a. die MHB-Mobil-Tour, damit Medizin-Studierende die Möglichkeit bekommen, sich zum einen ein Bild vom Leben im Land Brandenburg zu machen. Zum anderen erfahren sie dadurch aus erster Hand, was es bedeutet, in ländlichen Regionen zu praktizieren. Daher finden sich auf der Tour die Studierenden mit Vertretern der Kommunen und praktizierende Ärztinnen und Ärzten der jeweiligen Regionen zusammen.“, so Christian Wehry, Leiter Unternehmenskommunikation bei der KVBB. Für die KVBB und den Förderverein der neuen Hochschule ist der Besuch in Angermünde die dritte Tour in diesem Format.

Den medizinischen Nachwuchs zu fördern und für Angermünde zu begeistern war auch das Anliegen von Bürgermeister Frederik Bewer, der sich nach Anfrage durch Prof. Dr. Fleischer sofort bereiterklärte, in diesem Jahr Gastgeber für die Medizinstudierenden zu sein. Er empfing die Gruppe mit sechs Studierenden, zwei Mitarbeitenden der KVBB und Prof. Dr. Günter Fleischer bei bestem Wetter im Ratssaal der Stadt. Mit dabei auch ein fünfköpfiges Kamerateam, das im Nachgang einen Film zur Tour nach Angermünde erstellt. Bei einer Präsentation gab der Bürgermeister einen ersten Einblick in das Leben vor Ort, zeigte mit aktuellen Bildern die Facetten von Angermünde, die Potenziale und Besonderheiten.

Nach einer Stadtführung durch den Bürgermeister besuchten die Studierenden die Arztpraxen von Dipl. Med. Volker Patzschke am Friedenspark und Dr. Med. Jens-Uwe Bock in Pinnow. Hier ging es ganz konkret um das Praktizieren in einer eigenen Praxis, um das Arbeiten als Landarzt mit seinen Besonderheiten, Vorzügen aber auch schwierigen Seiten. Bevor es dann zum gemeinsamen Abendessen in das Dorfgemeinschaftshaus Biesenbrow ging, lernten die Studierenden das erst 2019 komplett modernisierte Haus Uckermark als neues, kulturelles Zentrum der Stadt kennen. Bürgermeister Frederik Bewer und Museumspädagogin Ottilie Blum führten durch das Haus und das Museum sowie den Museumshof, der gerade gestaltet wird. Zum Abendessen kam auch Volker Patzschke noch einmal vorbei, berichtete aus seinem Arbeitsalltag und erzählte Anekdoten aus seinem Leben als niedergelassener Arzt. Er berichtete aber auch von Sorgen, die er mit anderen Kollegen zur medizinischen Versorgung in Angermünde teilt, denn der Eintritt in den Ruhestand steht bei nicht wenigen Ärzten kurz bevor. Auch die Zukunft seiner Praxis steht im Moment noch nicht fest, er hat jedoch noch Hoffnung und bemüht sich sehr, die Nachfolge abzusichern.

Am nächsten Tag ging die Erkundungstour durch Angermünde weiter. Noch vor Sonnenaufgang lud Bürgermeister Frederik Bewer zu einer Bootstour auf dem Wolletzsee, um ein Naturerlebnis zu vermitteln, dass man nicht in Berlin oder einer anderen Großstadt, sondern nur in der absoluten Natur erfahren kann. Zwei Studenten wollten sich das nicht entgehen lassen und nahmen die Einladung an. Nach einem gemeinsamen Frühstück ging es dann nach Stolpe, wo Natur- und Landschaftsführer Roland Schulz eine spannende und lehrreiche Führung zum Stolper Turm durchführte und die Besonderheiten der Turmburg und des Nationalparks vorstellte. Danach ging es zum NABU Naturerlebniszentrum Blumberger Mühle. Hier erhielten die Studierenden bei einer geführten Wanderung Einblick in die Tier- und Pflanzenwelt der Region. Nach einem gemeinsamen Mittagessen stand dann noch der Besuch der Arztpraxis von Allgemeinmediziner Lucan Matthias Kretschmann in Chorin auf dem Programm, der die Abgeschiedenheit und das Leben auf dem Land gezielt gesucht und gefunden hat.

Beim Abschied am Sonntag waren alle Teilnehmenden begeistert und es stand auch fest: „Wir kommen wieder und schauen uns an, was an dem Wochenende aus Zeitgründen nicht besichtigt werden konnte“, so die Studierenden. Auch für die KV Brandenburg war das Wochenende mehr als gelungen: „Es hat sich erneut bestätigt, dass die Kommunen wichtige Partner sind, wenn es darum geht, die Arbeit in der jeweiligen Region für die angehenden Ärztinnen und Ärzte attraktiv darzustellen. Denn die Vorzüge der jeweiligen Regionen kennen die Akteure vor Ort am besten. Zudem erhält man als kommunaler Vertreter nützliche Hinweise zu den Bedürfnissen von zukünftigen Ärztinnen und Ärzten aus erster Hand und kann für sich prüfen, welche Möglichkeiten bestehen, den Mediziner-Nachwuchs für die eigene Region zu begeistern“, berichtet Christiane Völkel, die als Vertreterin der KVBB aus dem Bereich Versorgungsplanung und Niederlassungsberatung die Studierenden begleitete.

Für Bürgermeister Frederik Bewer war der Besuch des MHB-Mobil eine Chance, frühzeitig auf Angermünde aufmerksam zu machen und erster Hand zu berichten: „Ich halte die persönliche Vorstellung unserer Stadt durch mich als Bürgermeister als grundlegend wichtig. Ein persönlicher Kontakt und der damit verbundene Austausch mit den Studenten, der KVBB und dem Förderverein erhöht die Chancen auf medizinischen Nachwuchs in Angermünde. Mein Eindruck war, dass wir mit Angermünde als potentiellen Arbeits- und Lebensstandort überzeugen konnten. Dieser Austausch muss verstetigt werden. Das Thema des Ärztenachwuchses müssen wir als Verwaltung auch gemeinsam mit den Abgeordneten in das große Thema der Stadtentwicklung einfließen lassen. Kommune kann und muss meines Erachtens die Rahmenbedingungen für ein stabiles Ärzteangebot schaffen. Dazu gehören für mich auch moderne räumliche Bedingungen, wenn sich Ärzte niederlassen wollen“, so Bürgermeister Bewer.

"Wir kommen wieder" - Gruppenbild nach Besuch des Haus Uckermark
Besuch in der Praxis von Volker Patzschke
Stadtrundgang mit Bürgermeister Frederik Bewer
Auf Tuchfühlung mit den Skudden in der Blumberger Mühle

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